Leitfaden
KI-Agenten im Unternehmen: Beispiele, Grenzen, Einstieg
Was KI-Agenten im Mittelstand erledigen können, fünf Beispiele mit Werkzeugen und Freigaben, typische Risiken und wie Sie klein anfangen.
Ein KI-Agent erledigt eine Aufgabe in mehreren Schritten und wählt dafür selbst Werkzeuge aus. Er liest etwa eine Anfrage, sucht im ERP-System zur Unternehmensverwaltung nach dem Kunden, prüft den Lagerbestand und legt einen Angebotsentwurf an. Im Mittelstand funktioniert das heute zuverlässig, wenn der Agent eine eng umrissene Aufgabe hat, nur die nötigen Rechte bekommt und ein Mensch jeden Schritt mit Außenwirkung vorab freigibt. Laut Bitkom nutzen 11 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten bereits KI-Agenten (September 2026).
Assistent, Automatisierung, Agent
| Was es tut | Wer steuert | Beispiel | |
|---|---|---|---|
| KI-Assistent | Beantwortet eine Frage oder schreibt einen Text | Die Person, Schritt für Schritt | Copilot fasst ein Protokoll zusammen |
| Automatisierung | Folgt einem festen Ablauf | Der vorher festgelegte Ablauf | Jede Rechnung wird in Ordner X abgelegt |
| KI-Agent | Plant Zwischenschritte und nutzt Werkzeuge | Das Modell, innerhalb seiner Rechte | Anfrage lesen, Kunde suchen, Angebot entwerfen |
Die Grenze ist fließend. Viele Lösungen, die als Agent verkauft werden, sind eine Automatisierung mit einem KI-Schritt. Ein solcher fester Ablauf ist leichter zu testen und zu erklären. Ein Agent lohnt sich, wenn die Eingaben so unterschiedlich sind, dass sich der Weg nicht vorher festlegen lässt.
Fünf Beispiele aus dem Mittelstand
1. Anfrage zum Angebotsentwurf
- Aufgabe: Kundenanfragen per Mail lesen, fehlende Angaben erkennen, ähnliche frühere Angebote finden und einen Entwurf anlegen.
- Werkzeuge: Postfach lesen, Suche in Altangeboten, Artikelstamm im ERP, Entwurf anlegen.
- Freigabe: Der Vertrieb prüft Entwurf und Preis, bevor etwas verschickt wird.
Mehr dazu im Anwendungsfall Angebots- und Anfragebearbeitung.
2. Bestellung aus der Mail ins ERP
- Aufgabe: Bestellungen aus Mails und PDFs auslesen, Kunde und Artikel zuordnen, Abweichungen markieren.
- Werkzeuge: Dokumente lesen, Kunden- und Artikelsuche, ERP-Entwurf anlegen.
- Freigabe: Der Innendienst bestätigt jeden Entwurf und prüft Abweichungen gesondert.
3. Fragen zu Lieferung und Status
- Aufgabe: Kundenfragen wie „Wo ist meine Lieferung?“ beantworten.
- Werkzeuge: Bestellung suchen, Sendungsstatus abfragen, Antwortentwurf schreiben.
- Freigabe: Eine Person prüft jede Antwort. Bei Standardfällen reicht ein Klick.
4. Fehlende Belege nachfordern
- Aufgabe: Offene Posten erkennen und für jeden Kunden oder Mandanten eine Rückfrageliste schreiben.
- Werkzeuge: Export aus der Buchhaltung lesen, Belegeingang abgleichen, Liste erstellen.
- Freigabe: Die zuständige Person prüft die Liste und verschickt sie.
5. Wissensfragen im Team
- Aufgabe: Fragen aus dem Team zu Handbüchern, Richtlinien oder Verträgen mit Fundstelle beantworten.
- Werkzeuge: Suche in freigegebenen Dokumenten.
- Freigabe: Keine, solange der Agent nur antwortet und die Quelle nennt. Rechtliche Auskünfte gehen an eine zuständige Person.
So ist ein Agent aufgebaut
Ein Agent im Unternehmen besteht aus fünf Teilen:
- Auftrag: eine klare Beschreibung der Aufgabe und ihrer Grenzen, also auch dessen, was der Agent nicht tun darf.
- Sprachmodell: das Modell, das liest, plant und schreibt. Wo es läuft, entscheidet über den Datenschutz.
- Werkzeuge: Schnittstellen zu Postfach, ERP, Kundenverwaltung (CRM) oder Dokumenten. Immer häufiger werden sie über das Model Context Protocol (MCP) angebunden, einen Standard für die Anbindung von Werkzeugen und Datenquellen.
- Freigabepunkte: die Stellen, an denen ein Mensch bestätigt, bevor etwas nach außen geht oder gebucht wird. Wie Sie diese festlegen, steht im Beitrag zu Human-in-the-Loop.
- Protokoll: Es hält jede Entscheidung und jeden Werkzeugaufruf fest, damit sich Fehler nachvollziehen lassen.
Die typischen Risiken
- Zu viele Rechte. Ein Agent, der Mails lesen soll, braucht keinen Schreibzugriff auf das ERP. Vergeben Sie Rechte für einzelne Werkzeuge statt pauschal für ganze Systeme.
- Versteckte Anweisungen. Eine eingehende Mail kann Text enthalten, der den Agenten zu anderen Handlungen bringen soll. Fachleute nennen das Prompt Injection. Es steht auf Platz 1 der OWASP-Liste der Risiken für Sprachmodell-Anwendungen. Freigaben vor Aktionen mit Außenwirkung sind der wirksamste Schutz.
- Endlosschleifen und Kosten. Ein Agent, der immer neue Schritte plant, verbraucht Tokens, also Texteinheiten, die das Modell verarbeitet oder erzeugt. Begrenzen Sie die Zahl der Schritte und das Budget pro Vorgang.
- Unklare Verantwortung. Wer haftet, wenn der Agent einen falschen Preis anbietet? Die Antwort muss vor dem Start feststehen. Fast immer ist es die Person, die freigibt.
Wie Sie anfangen
- Wählen Sie eine Aufgabe, die oft vorkommt, bisher Zeit kostet und bei der ein Fehler vor der Freigabe auffällt.
- Messen Sie eine Woche lang, wie lange der Vorgang heute dauert.
- Geben Sie dem Agenten zunächst Leserechte und die Möglichkeit, Entwürfe anzulegen, statt weitergehender Schreibrechte.
- Testen Sie an echten Fällen, auch an den unordentlichen.
- Erweitern Sie Rechte erst, wenn die Quote der korrekten Entwürfe über mehrere Wochen stabil ist.
Was ein solcher erster Schritt kostet, steht im Beitrag Was kostet KI?. In unseren Branchen-Sprints bauen wir einen solchen Agenten in zwei Wochen zum Festpreis, etwa für Speditionen oder Maschinenbauer.
Häufige Fragen
Was ist ein KI-Agent?
Ein KI-Agent ist ein Programm, das mit einem Sprachmodell eine Aufgabe in mehreren Schritten erledigt und dafür selbst Werkzeuge auswählt, zum Beispiel eine Suche, eine Datenbankabfrage oder das Anlegen eines Entwurfs im ERP. Anders als ein Chat-Assistent wartet er nicht nach jeder Antwort auf die nächste Frage.
Was ist der Unterschied zwischen KI-Agent und Automatisierung?
Eine klassische Automatisierung folgt einem vorher festgelegten Ablauf. Ein Agent entscheidet innerhalb seiner Rechte selbst, welcher Schritt als Nächstes kommt. Dadurch kann er flexibler auf ungewöhnliche Eingaben reagieren, sein Verhalten ist aber schwerer vorherzusagen. In der Praxis lassen sich beide Ansätze kombinieren.
Wie viele Unternehmen nutzen KI-Agenten?
Laut einer Bitkom-Umfrage unter 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten vom September 2026 nutzen 11 Prozent KI-Agenten. KI insgesamt nutzen 57 Prozent.
Sind KI-Agenten sicher?
Ihre Sicherheit hängt von ihren Rechten ab. Ein Agent sollte nur die Werkzeuge und Daten bekommen, die er für seine Aufgabe braucht. Jeder Schritt sollte protokolliert werden. Alles mit Außenwirkung, etwa Mails an Kunden oder Buchungen, braucht eine Freigabe durch einen Menschen. Ein besonderes Risiko sind Anweisungen, die in Eingaben versteckt sind, etwa in einer Mail.
Quellen
Weiterlesen
Diesen Ansatz auf Ihren Prozess anwenden?
Ob erste KI-Lösung oder bestehender Pilot: Wir klären die offenen Punkte und den passenden nächsten Schritt. Eine zusätzliche Analyse wird nur bei Bedarf separat beauftragt.