Vergleich

Dokumentenverarbeitung: Regeln, OCR oder Sprachmodell?

Wählen Sie den passenden Verarbeitungsschritt für Bestellungen und PDFs. Mit einem Bestellbeispiel, Entscheidungstabelle und Vorlage zur Feldprüfung.

Von EVORIVeröffentlicht: 5 Min. Lesezeit

KI-gestützter Redaktionsbeitrag von EVORI. Quellen stehen am Ende; Rechenbeispiele sind als Annahmen gekennzeichnet.

Prüfen Sie zuerst, welche Daten Ihr Team bereits strukturiert erhält. Für eine Bestellung mit definierten Feldern können ein Parser und Fachregeln reichen. Bei einem Scan brauchen Sie Texterkennung. Ein Sprachmodell kommt als zusätzlicher Versuch infrage, wenn Mitarbeitende wechselnde Formulierungen einem fachlichen Feld zuordnen müssen. Vergleichen Sie die Verfahren an denselben Belegen, bevor Sie sich entscheiden.

Die Auswahl gilt für einzelne Arbeitsschritte. Sie können etwa Positionen mit einem Dokumentenmodell auslesen, Artikelnummern mit Regeln prüfen und eine unklare Terminangabe einem Menschen vorlegen. Der Innendienst prüft die Eignung jedes Schritts an den eigenen Eingängen.

Die erste Entscheidung trifft Ihr Team am Eingang

Ihr EingangErster zu prüfender AnsatzVerbleibende Prüfung
Vereinbarte XML- oder CSV-StrukturVorhandene Felder mit einem Parser lesenFormat, Pflichtfelder, Werte und Version gegen Ihre Schnittstellenvereinbarung prüfen
PDF mit auswählbarem TextText und Tabellenstruktur auslesen; mit festen Zuordnungen beginnenReihenfolge, Spalten und Feldbezug am Original prüfen
Scan oder FotoOCR zur Texterkennung und bei Bedarf ein Modell zur LayoutanalyseVerwechslungen von Zeichen, Zeilen und Seitenzuordnung prüfen
Wechselnde FreitexteSprachmodell für eine begrenzte Zuordnungsaufgabe mitprüfenJeden Vorschlag auf eine konkrete Textstelle zurückführen; ungeklärte Werte offenlassen

Das ist eine von EVORI erstellte Auswahlhilfe, kein Produkttest. Microsoft dokumentiert beispielsweise für sein Layoutmodell die Ausgabe von Text, Tabellen und Strukturinformationen aus Dokumenten. Daraus folgt keine Genauigkeitszusage für Ihre Belege. Prüfen Sie die benötigten Formate und Ausgaben des konkreten Werkzeugs in dessen Dokumentation.[1]

Ein Bestellbeispiel mit einer offenen Terminangabe

Synthetisches Beispiel: Auf Seite 1 einer Bestellung stehen „Artikel B-17, 12 Stück“. In einer ergänzenden Mail schreibt der Absender: „Bitte vor dem Betriebsurlaub liefern.“ Der Artikelstamm enthält B-17; Beginn und Jahr des Betriebsurlaubs fehlen.

Der Innendienst legt die erwarteten Ergebnisse vor dem Vergleich fest:

FeldZulässiger VorschlagBeleg und Prüfung
ArtikelB-17Textstelle auf Seite 1 und eindeutiger Treffer im Artikelstamm
Menge12Textstelle auf Seite 1; Zahl größer null
EinheitStückOriginaltext; Abgleich mit der Verkaufseinheit
Lieferwunsch„vor dem Betriebsurlaub“Wortlaut der Mail erhalten
LieferdatumOffenBeginn und Jahr beim Absender erfragen

Ein Sprachmodell könnte die Formulierung als Lieferwunsch einordnen. Der Innendienst muss trotzdem den konkreten Termin klären. Lassen Sie ein Modell weder das Datum ergänzen noch aus einer sprachlichen Einordnung eine bestätigte Lieferzusage erzeugen. Für diese Beispielaufgabe bleibt der Vorgang ein Entwurf.

Prüfen Sie Felder und vollständige Vorgänge getrennt

Legen Sie mit einer fachlich verantwortlichen Person ein Set aus typischen Eingängen und bekannten Ausnahmen an. Erfassen Sie pro Feld den geprüften Sollwert, die Originalstelle und die zulässige Behandlung fehlender Angaben. Halten Sie einen Teil der Belege vom Einrichten der Regeln und Prompts zurück und verwenden Sie ihn erst zur anschließenden Prüfung.

Rechenbeispiel, keine EVORI-Messung: Ihr Test umfasst 20 Bestellungen mit je fünf Pflichtfeldern, für die Ihr Team alle Sollwerte kennt. Das Verfahren liefert 98 von 100 Feldern korrekt. Die zwei falschen Felder liegen in zwei verschiedenen Bestellungen. Damit sind 18 von 20 Bestellungen in allen Pflichtfeldern korrekt, also 90 Prozent. Lägen beide Fehler in derselben Bestellung, wären 19 von 20 Bestellungen vollständig korrekt, also 95 Prozent. Die Feldquote bliebe bei 98 Prozent. Erfassen Sie beide Quoten, die Fehlerarten und den kleinen Testumfang. Auch eine in allen fünf Feldern korrekte Bestellung braucht die vorgesehenen fachlichen Freigaben.

Erfassen Sie zusätzlich die Minuten für manuelle Prüfung und Korrektur je Vorgang. Ein Verfahren mit weniger Feldfehlern kann mehr Sucharbeit verursachen, wenn es keine Belegstellen liefert. Bewerten Sie diese Arbeit an Ihren Testfällen; eine allgemeine Zeitersparnis lässt sich daraus nicht versprechen.

Ein Konfidenzwert braucht eine Prüfung am eigenen Material

Manche Dokumentenwerkzeuge geben geschätzte Konfidenzwerte je Feld oder Wort aus. Microsoft weist darauf hin, dass nicht alle Felder solche Werte erhalten.[2] Eine vom Sprachmodell formulierte Selbsteinschätzung hat eine andere Herkunft als ein dafür trainiertes Konfidenzmodell.[3]

Wählen Sie eine Prüfschwelle anhand von Belegen mit fachlich bestätigten Antworten und testen Sie sie an zurückgehaltenen Belegen. Trennen Sie dabei Dokumentarten und kritische Felder. Microsoft beschreibt dieses Vorgehen für Content Understanding und grenzt seine Übertragbarkeit auf andere Dokumente und Modellversionen ein.[3] Übernehmen Sie deshalb keinen pauschalen Wert wie 0,95 als Freigaberegel für Ihren Betrieb.

Ihre Vorlage für den Verfahrensvergleich

Die CSV-Vorlage für den Verfahrensvergleich enthält die fünf Felder aus dem Beispiel. Kopieren Sie die fünf Zeilen für jedes Verfahren und halten Sie dessen Version fest. Ergänzen Sie Istwert und Belegreferenz; notieren Sie Abweichungen beim Istwert. Tragen Sie die gesamte Prüfzeit nur einmal je Vorgang und Verfahren ein, damit Sie sie beim Summieren nicht verfünffachen. Erhalten Sie die Kennzeichnung „synthetisches Beispiel“, wenn Sie eigene Fälle ergänzen.

Tragen Sie beim fehlenden Lieferdatum „offen, Rückfrage nötig“ als Istwert ein. Bewerten Sie das Ergebnis als korrekt, wenn das Verfahren die Lücke erkennt und die nötige Rückfrage nennt. Falsch gilt für ein erfundenes Datum. Offen in der Ergebnisspalte bedeutet, dass Ihr Team die Ausgabe noch nicht geprüft hat. Ein korrekt behandelter fehlender Wert macht die Bestellung noch nicht vollständig. Halten Sie offene Vorgänge neben den Fehlerquoten fest.

EVORI hat die Vorlage aus diesem synthetischen Beispiel erstellt. Sie enthält keine Kundendaten oder gemessenen Ergebnisse. Die fachlich verantwortliche Person entscheidet anhand der Prüfung, welche Felder Ihr Team übernehmen darf und welche Vorgänge im Entwurf bleiben.

Für den betrieblichen Ablauf lesen Sie den Anwendungsfall Dokumenten- und Auftragsbearbeitung. Zur Abgrenzung eines ersten Projekts hilft die Pilotprojekt-Checkliste.

Quellen

  1. Microsoft Learn: Document layout analysis, geprüft am 3. November 2026.
  2. Microsoft Learn: Accuracy and confidence, geprüft am 3. November 2026.
  3. Microsoft Foundry: Grounding and confidence in document workflows, 14. Oktober 2026, geprüft am 3. November 2026. Herstellerdarstellung; deren Kundenkennzahlen sind kein Nachweis für EVORI.
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